ALEXANDER DUGIN UND DIE BEWEGUNG EURASIEN

von Constantin von Hoffmeister


Der Nationalbolschewismus, eigentlich eine deutsche Erfindung (seit  konservative Revolutionare diesen Begriff erstmals in der Weimarer Republik benutzt haben), hat in Russland Tradition. Seit Stalin das judisch und konterrevolutionar durchwanderte Kommunistenregime sauberte, hat sich eine zweite Variante des Kommunismus etabliert, als GegenstUck zu der trotzkistischen und internationalistischen Version. Zur Zeit gibt es in Russland mehrere nationalbolschewistische Bewegungen, die teils verschiedene Ziele verfolgen und sich teils verfeindet sind.

Alexander Dugin, der Philosoph des Eurasiertums, und Eduard Limonow, der Punk-Schriftsteller und "bad boy" der russischen Literatenszene, grundeten Mitte der 90er Jahre die Nationalbolschewistische Partei (NBP). In einem Interview, das ich mit Dugin fuhrte, sagte mir dieser, dass er Limonow nur
benutzt habe, um die radikale Jugend fur die Partei zu gewinnen. In der Anfangsphase war die Nationalbolschewistische Partei auf einem konsequent antiliberalen und ultranationalistischen ("Lebensraum fUr Russen" war eines ihrer Slogans) Kurs. Doch nach einiger Zeit wurde die Partei mehr und mehr von linksextremen Elementen unterwandert. Limonow, der eigentlich schon immer ein linker Liberaler war (in einem seiner autobiographischen Romane beschreibt er genuzlich, wie er von einem Schwarzen in Neu York auf homosexualle Art vernascht wird) unterstutzte diese zersetzenden Krafte.

Dugin schied deshalb aus der NBP aus und grundete eine neue Gruppierung - die Bewegung Eurasien. Wahrend die NBP gegen Putin eingestellt ist und eine Orangene Revolution (nach ukrainischem Vorbild) in Russland fordert, setzt sich die Bewegung Eurasien mehr fur eine pragmatische und realistischere politische Vorgehensweise ein. In der russischen Duma ist Dugin ein angesehener Mann, und nicht wenige russische Politiker setzen sich fur Dugins Ideen ein.

Dugin und seine Bewegung vertreten die Meinung, dass die USA der Hauptfeind aller traditionsbewussten, aber besonders der eurasischen, Volker sind. Deshalb schlОgt Dugin vor, durch eine Zusammenarbeit Russlands mit anderen eurasischen LОndern (besonders hervorgehoben wird von Dugin eine deutsch-russische Allianz) einen Kontinentalblock und damit eine Gegenmacht
zu den
USA zu bilden. England, das ja bekanntlich ein Vassallenstaat Amerikas ist, wird natUrlich aus diesem sich zu bildenden eurasischen Reich ausgegrenzt.

Das kommende eurasische Reich wird ein ethnopluralistisches sein. Die Bewegung Eurasien ist der Ansicht, dass alle Regionen in Russland ihren eigenen Charakter bewahren und eine Stimme in einem zukUnftigen Reichsparlament haben sollen. Dadurch wird gewahrleistet, dass das Reich nicht in einem zentralistischen Sinne homogenisiert wird, so wie es z. B. in den
USA oder in Frankreich der Fall ist.

Dugin ist nach eigenen Angaben ein Philokommunist in der Hinischt, dass er die positiven Aspekte des Sowjetsystems hervorhebt: imperialer anti-Imperialismus, Antikapitalismus, Sozialismus in stalinistischem Sinne ("in einem Land" anstatt auf der ganzen Welt), anti-Individualismus und Einbindung aller Volksgenossen in ein System, das mehr dem Wohle vieler als
dem Wohle einzelner gewidmet ist. Dugin ist ebenfalls ein Zionist. Sein Zionismus unterscheidet sich aber grundlegend von dem der Kriegstreiber in den
USA und Israel. Dugin respektiert den Zionismus als legitimen Ausdruck jUdischer Tradition. Er will, dass Israel ein traditionalistischer Staat wird anstatt eines imperialistischen Monstrums, das zusammen mit Amerika die
Welt regieren will.

Wirtschaftlich gesehen orientiert sich die Bewegung Eurasien an dem bewahrten nationalsozialistischen Modell. Dugin beschreibt die zukUnftige eurasische Wirtschaftsform folgendermassen: "Soziale Orientierung: Das ist euroasiatische Wirtschaft, das ist Kapitalismus mit nationaler Seele und sozialistischem Gesicht. Das ist die Wirtschaft des Dritten Weges:
Marktwirtschaft muss im Kontext einer nichtmarktorientierten Gesellschaft angelegt sein, einer Gesellschaft der Gerechtigkeit, der Solidaritat, der Moral." (aus dem Grundungsaufruf der Bewegung Eurasien)

Im imperialen und foderativen Stil des ehemaligen sowjetischen Reiches will die Bewegung Eurasien, dass die Volker ihre Eigenart bewahren und die Ethnien ihre angestammte Tradition weiterfuhren konnen. Gegen die One-World-Ideologie, ist die Bewegung Eurasien ein zukunfts versprechendes Unternehmen, das durchaus in Russland zu einem Erfolg fuhren kann. Die
Weichen sind gestellt. Der Einfluss der Ideen der Bewegung Eurasien auf Fuhrer in der Politik und dem Volk in Russland sollte nicht unterschatzt werden.

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